Warum Einlagen keine Lösung sind

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Bewegung

Einlagen für Schuhe erfreuen sich einiger Beliebtheit, zumindest unter den Orthopäden – denn für viele Leiden, die mit den Füßen zu tun haben, sind sie die Standard-Verschreibung schlechthin. Etwas süffisant könnte man auch sagen – wenn der Orthopäde nicht weiter weiß, dann greift er zur Einlage. Oder zur Operation. In meinen Augen sind beide Varianten eher ein Zeugnis der Unverständnis, denn ein vernünftiger Lösungsansatz.

Das Einlagen keine Lösung sind, merken Menschen mit Fußproblemen spätestens dann, wenn sie die Schuhe wieder ausziehen. Und ganz ehrlich, wer will ständig und überall Schuhe tragen? Überhaupt sind viele Maßnahmen der sich selbst hochlobenden Medizin oft nur Krücken: Brillen, Zahnersatz, Einlagen, Facelifting. Würden wir uns alle diese Krücken mal wegdenken – nein, lieber nicht! 🙂

Einlagen stabilisieren den Fuß, können Beckenfehlstellungen ausgleichen und stark beanspruchte Bereiche des Fußes entlasten. Das funktioniert, keine Frage – aber eben nur solange, wie man den Schuh trägt. Unser Körper ist ziemlich schlau, und macht nur Symptome, wenn etwas nicht ganz rund läuft. Gerade Schmerzen sind oft ein Zeichen von Kompensation. Ein Hinweis, daß irgendetwas im Körper nicht rund läuft. Und im Hinblick auf Fußprobleme kannst Du das gerne wörtlich nehmen. Unser menschlicher Gang ist ein sehr komplexes, nach bestimmten Regeln funktionierendes System – dies hat Gary Ward mit seinem Flow Motion Model sehr eindrucksvoll gezeigt. Wird dieses System an irgendeiner Stelle gestört, muss es sich zwangsläufig irgendwo zeigen. Vielleicht nicht sofort, aber sicher nach 20 Jahren – solange laufen viele Menschen mit Fehlhaltungen und Muskeldysbalance herum.

Diese Ansicht ist selbstverständlich eine holistische – und wird nicht von jedermann geteilt. Es gibt auch Menschen, die lassen sich gerne operieren, nehmen ein Leben lang Medikamente, und tragen gerne Einlagen – und dies nicht zuletzt aus Bequemlichkeit. Schon Sherlock Holmes musste erfahren, daß Fragen stellen manchmal mühsam ist, und das Bekommen von Antworten noch umso mehr!

Aber da Du immer noch hier liest, interessiert Dich vielleicht die Antwort auf die Frage, warum Einlagen keine Lösung sind. Unser Fuß ist ein sehr intelligentes und komplexes Wunderwerk. Jeder Fuß hat 33 Gelenke, soviele, wie unsere eine Wirbelsäule. Außerdem sind unsere Füße wie Brücken – lebendige Brücken. Wenn das mal keine außergewöhnliche architektonische Leistung ist! Unsere Fußgewölbe funktionieren also wie Brücken, zumindest, wenn sich unser Fuß in Supination befindet. Wenn er in Pronation geht (=zum Plattfuß wird), dann „kollabieren“ die Gewölbe, die Brücke „stürzt ein“. Die stabile Brückenstruktur unseres Fußes brauchen wir, um uns abstoßen zu können, so wie wir es mit jedem Schritt tun. Um sich abstoßen zu können, braucht man etwas Stabiles. Man stelle sich vor, wie sich jemand auf einem Boot mit einem Grashalm vom Ufer abstoßen möchte – das geht mehr schlecht als recht, um nicht zu sagen: überhaupt nicht.

Somit wechseln unsere Füße ständig zwischen Pronation und Supination, oder zwischen Senkfuß und Hohlfuß. Dies soll andeuten, daß all die „pathologischen“ Zustände unserer Füße vielmehr einzelne Phasen innerhalb unseres ganz normalen menschlichen Ganges sind. Mit einem entsprechenden Training, wie z.B. dem AiM (Anatomy in Motion)-Coaching, lernen unsere Füße wieder, sich vollumfänglich zu bewegen und zu artikulieren. Das wir die meiste Zeit in Schuhen herumlaufen, und das meist auf flachen, harten Böden, macht es unseren Füßen nicht leichter. Umso mehr sollten wir darauf achten, daß unsere Füße funktional bleiben – denn nicht nur Fußprobleme gehen von den Füßen aus, sondern auch Knie- Rücken- und sogar Nackenschmerzen können hier ihren Ursprung haben. Kaum zu glauben? Die Faszienforschung belegt immer deutlicher, daß wir unseren Körper nicht länger als eine unzusammenhängende Sammlung von Einzelteilen betrachten können, sondern daß wir es mit einem lebendigen Organismus zu tun haben (!). Ist das denn wirklich so schwer zu begreifen? 😉

Falls Du neugierig bist, besuche doch einen meiner Fuß-Workshops, oder gönne Dir ein professionelles Coaching. Demnächst mehr auf diesem Blog.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.